Besuch der Voltino Grundschule

Die Voltino Grundschule liegt etwa drei Kilometer vom Zentrum Zagrebs entfernt im Stadtteil Voltino, einem Arbeiterviertel, bestehend aus Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern. Äußerlich ist zu sehen, wie der Zahn der Zeit am Schulgebäude genagt hat, im Inneren finden derzeit umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen statt. Im Zentrum des Erdgeschosses befindet sich ein großer Hallenbereich mit einer Bühne, der sowohl als Aula, aber auch als Essensbereich genutzt wird. Mit Hilfe des sich ebenfalls dort befindlichen Küchenbereichs werden den Kindern der ersten bis vierten Klasse während des Ganztagsunterrichts drei Mahlzeiten täglich serviert. Des Weiteren verfügt die Schule über eine Bibliothek, einen Computerraum, zwei kleinere Sporthallen, die typischen Fachräume sowie einen sehr großzügigen umzäunten Außenbereich mit Pausenhof und Schulgarten. Die Grundschulkinder sind im Erdgeschoss untergebracht. Jeweils zwei Klassen teilen sich im Wechsel einen Klassenraum. Die Schüler*innen der fünften bis achten Klassen haben keinen eigenen Klassenraum, sie wechseln für jedes Fach in einen entsprechenden Fachraum im ersten Obergeschoss. Die Schule wird von ca. 500 Schüler*innen von der ersten bis zur achten Klasse besucht. Die Klassengröße beträgt im Durchschnitt 20 Schüler*innen. Alle Kinder lernen ab der ersten Klasse eine Fremdsprache, dabei können sie zwischen Deutsch und Englisch wählen, in der vierten Klasse kommt obligatorisch für alle die zweite Fremdsprache hinzu. Das Kollegium umfasst 45 Lehrer*innen, die im Schichtsystem arbeiten, wobei die erste Schicht um 8.00 und die zweite Schicht um 8.50. beginnt, so dass der übliche, obligatorische Unterricht höchstens bis 14.50. dauert. Technisch sind alle Räume mit einem Computer und einem Beamer ausgestattet. Die Dokumentation der Lernentwicklung wird im elektronischen Klassenbuch vorgenommen und an jeden Donnerstag finden nachmittags Elterngespräche statt.

Das kroatische Schulsystem

Die Schulpflicht in Kroatien beträgt seit 2007 acht Jahre. Die Grundschule wird zwischen dem 6. und 15. Schuljahr, also von der ersten bis zur achten Klasse besucht und beinhaltet somit Primarstufe und die Sekundarstufe I. Daran schließt sich eine vierjährige Sekundarstufe II an, die in drei unterschiedlichen Schularten absolviert werden kann. Hierzu gehören das Gymnasium, die Berufsschule (duales Ausbildungssystem seit 1995) sowie die Kunstschule. Ein landesweit gültiger Lehrplan soll einheitliche Standards gewährleisten. In vergleichenden Studien schnitten kroatische Schulen insbesondere im Grundschulbereich stets sehr gut ab, als problematisch galt zumindest bis vor einigen Jahren, dass ein beträchtlicher Teil der Absolventen im Sekundarbereich I keinen Abschluss vorweisen konnte. Ferner ergibt sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der kroatischen Wirtschaft nach ausgebildeten Facharbeitern und dem, was das kroatische Bildungssystem in der Lage ist, zu leisten. Derzeit befindet sich Kroatiens Bildungssystem und damit die Schullandschaft in einem umfangreichen Reformprozess. Die betrifft sowohl die Ausgestaltung der curricularen Vorgaben, die Einführung und Umsetzung inkludierender Maßnahmen, die Sanierung von Schulgebäuden und Investitionen in die technische Ausstattung der Schulen. Die neue Reform fokussiert sich auf den aktiven Schüler/die aktive Schülerin, der/die selbst handelnd im Mittelpunkt des Unterrichts steht. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf dem Lernstoff (also auf den konkreten Texten, die vorgeschrieben werden) sondern auf den Ergebnissen des Lernprozesses – die vorgegebenen Ergebnisse aus dem curricularen Dokument erörtern für jede Stufe, was der Schüler/die Schülerin leisten kann z.B. Der Schüler/die Schülerin spricht kurze Texte in einer Fremdsprache.

Darüber hinaus wird formative und quantitative Beurteilung als ein neues Konzept eingeführt, die Wichtigkeit einer regelmäßigen und angemessenen Rückmeldung wird betont wie auch systematische Entwicklung generischer Kompetenzen und Miteinbeziehung fachübergreifender Themen im Unterricht

Tagesberichte

Tagesbericht von Montag, dem 16.09.2019

Um 9:30 Uhr trafen wir am Schulgebäude ein. Zunächst wurden wir von Gordana der Schulleiterin Ksvenja und dem Kollegium vorgestellt. Anschließend besuchten wir die Klasse 6a im Englischunterricht. Die Schülerin*innen beschrieben ein Bild und benannten Dinge, die thematisch nicht hineinpassten. Als nächstes wiederholten sie die Fragewörter und entwickelten im nächsten Schritt eigene Fragen zu dem Bild, die sie dann von ihren Mitschüler*innen beantworten ließen.

Nach einer kurzen Pause begleiteten wir die Deutschlehrerin Branka in den Unterricht mit der 1. Klasse. Dort lernten die Kinder Wörter zum Thema Zirkus. Im Anschluss an diese Stunde führte uns Gordana durch das Schulgebäude und zeigte uns verschiedene Klassen- und Fachräume sowie die Sporthalle, die Aula und den Schulhof.

Am Ende dieses Tages ist zu resümieren, dass die ersten Begegnungen und Hospitationen noch von gegenseitiger Zurückhaltung geprägt waren. Verschiedene Faktoren sind dafür die Ursache. Dazu gehören die derzeit ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Kolleginnen der gastgebenden Schule durch den Schuljahresbeginn einerseits und den derzeitigen Reformprozess im kroatischen Schulsystem andererseits. Hinzu kommt die Unerfahrenheit beider Seiten hinsichtlich der Planung und Durchführung von Job-Shadowings. Für die kommenden Tage muss deshalb die Zielsetzung lauten, Vertrauen aufzubauen und kommunikative Grundlagen zu sichern. Dies jedoch muss zukünftig bereits im Vorfeld anlaufender Projekte abgeschlossen sein.

Tagesbericht von Dienstag, dem 17.09.2019

Für 8:00 Uhr, also zur ersten Stunde war der Beginn unserer Hospitation geplant. Martina und ich trafen jedoch bereits eine halbe Stunde früher ein und nutzen die Gelegenheit, um mit den für uns zuständigen Kolleginnen das Gespräch zu suchen. Wir versicherten ihnen noch einmal nachdrücklich, nicht vor Ort zu sein, um sie zu bewerten oder zu kritisieren und dass wir nichts Negatives über sie in unseren Berichten schreiben würden. Wir entschuldigten uns für die Unannehmlichkeiten, die durch unsere Anwesenheit entstanden sind und baten sie uns zu sagen, was wir für sie tun könnten, damit sie sich in unserer Gegenwart angenehmer fühlen würden. Die Stimmung war daraufhin merklich angenehmer.

In der ersten Stunde begleiteten wir Branka in die Klasse 6a. Sie unterrichtete Kroatisch und Thema war ein Gedicht über einen Weinberg und wie er sich im Verlauf der Jahreszeiten verändert.

In der nächsten Stunde waren wir erneut zu Gast bei Maja B. Sie unterrichtete Englisch in der 6b. Anhand eines Videos und eines Lückentextes behandelte sie das Thema Haie.

Die dritte Stunde durften wir bei Maja K. im Deutschunterricht der Klasse 2c verbringen. Nach einer kurzen Vorstellung unsererseits ging es um das Thema Zahlen. Im Verlauf des Unterrichts sind Martina und ich herumgegangen und haben die Kinder bei der Erledigung ihrer Aufgaben unterstützt. Die Klasse wird von einer Schulbegleiterin unterstützt.

Tagesbericht von Mittwoch, dem 18.09.2019

Wir starteten zur dritten Stunde, um 9:50 Uhr, und begleiteten Morana die nächsten vier Stunden in verschiedene Klassen. Zunächst beobachteten wir den Englischunterricht in der Klasse 3b zum Thema Summer and Adventure. Die Kinder ordneten Abbildungen die richtigen Vokabeln zu vervollständigten einen Lückentext mit Hilfeeines Audiobeitrags. In der kommenden Stunde in der Klasse 4a zum Thema About us führte ich ein Partnerinterview mit einer kroatischen Schülerin, während Martina die Gelegenheit hatte, die Schulpädagogisch zur Schulsozialarbeit zu befragen. Die Erkenntnisse hierzu werden in einen Extrapunkt aufgeführt. Anschließend besuchten wir die Klasse 3b. Hier lernten die Kinder das englische Alphabet sowie die die Wochentage. In der darauffolgenden Klassenleiterstunde besprach Morana mit ihrer Klasse durch die Schulreform bedingte Änderungen der Stundenplangestaltung. In den beiden letzten Stunden (7./8.) hospitierten wir zuerst bei Maja. B in der 7b in Englisch. Sie arbeitete mit der Quizplattform Kahoot zum Thema Superheroes. Im Anschluss daran ging es bei Maja K.in der gemischten Klasse 5b/c um Dialogarten und Begrüßungen.

Interessante Erkenntnisse des Tages waren, dass das Thema Inklusion Einzug in das kroatische Schulsystem hält. In zwei weiteren Klassen trafen wir heute Schulbegleiterinnen an. In der vierten Klasse wird ein Junge mit großen Lernschwierigkeiten von ihr unterstützt, dieser Junge erhält darüber hinaus ein differenziertes Arbeitsbuch. Die fünfte Klasse wird von einen Jungen mit Down-Syndrom besucht. Auch er wird von einer Schulbegleiterin unterstützt.

Tagesbericht von Donnerstag, dem 19.09.2019

Von der ersten bis dritten Stunde begleiten wir Maja B. in den Englischunterricht. In der ersten Stunde wurde das Thema Australien bearbeitet und Schüler*innen erstellten mit Hilfe eines Videoclips einen Steckbrief. In der zweiten Stunde arbeitete die Klasse 6a an gegenseitigen Personenbeschreibungen. In der darauffolgenden Stunde standen wir den Schüler*innen der Klasse 5c Rede und Antwort zu uns selbst, zu Deutschland und dem Grund unserer Anwesenheit. Während der letzten Hospitation des Tages übten wir mit der Klasse 3a die Verwendung und Aussprache von deutschen Präpositionen.

Anschließend wohnten wir der Entlassungsfeier einer in Rente gehenden kroatischen Kollegin bei. Im Anschlussdaran überreichten wir der Schulleiterin Ksvenja einen Kaffeebecher mit typischen Harzmotiven und ein Trikot der Lauf-AG als Dankesgeschenk.

Tagesbericht von Freitag, dem 20.09.2019

Am letzten Tag begleiteten wir Maja K. in den Deutschunterricht der 2a. Sie lernten deutsche Begrüßungsformeln. Martina und ich unterstützten die Schüler*innen in der Erarbeitungsphase. Anschließend hospitierten wir bei Marianna in einer auf Kroatisch und Englisch gehaltenen Mathestunde zum Thema Geometrie. Danach nahmen wir am Kroatisch-Unterricht der Klasse 7c teil, in dem es um soziale Charakterisierung auf der Grundlage einer literarischen Vorlage ging und abschließend wohnten wir dem Englischunterricht der Klasse 4c bei.

Zum Abschluss verabschiedeten wir uns bei den Kolleginnen und bedankten uns mit einer kleinen Nascherei und machten noch einige Fotos vom Schulgebäude.

Stundenplan

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1.     8:00-8:45   Kroatisch Kl. 6   Kroatisch Kl. 6  
2.     8:50-

9:35

  Englisch Kl. 6   Englisch Kl. 6 Deutsch Kl. 2
3.     9:50-10:35 Englisch Kl. 7 Deutsch Kl. 2 Englisch Kl. 3 Englisch Kl. 5 Mathe Kl. 7
4.     10:40-

11:25

Deutsch Kl. 1   Englisch Kl. 4   Kroatisch Kl. 7
5.     11:35-

12:20

  Deutsch Kl. 8 Klassenleitung

Kl. 7

Deutsch Kl. 3 Englisch Kl. 4
6.     12:25-

13:10

    Englisch Kl. 4    
7.     13:20-

14:05

    Englisch Kl. 7    
8.     14:10-

14:55

    Deutsch Kl. 5    

Erasmus+

Bei einem abendlichen Treffen mit der Erasmus+-Gruppe am Mittwoch und einem anschließenden Abendessen mit der Vorsitzenden Gordana wurde von unserer Seite die Zielsetzung unseres Besuches erläutert, nämlich Erkenntnisse über die Vermittlung der Muttersprache als Fremdsprache an jugendliche Migranten zu gewinnen. Da an der Grundschule Voltino jedoch keinerlei Migranten beschult werden, wurde diesbezüglich umgehend durch eine der Teilnehmerinnen der Erasmus-Gruppe ein Treffen mit einer Vertreterin der kroatischen NGO Are you syrious für den nächsten Nachmittag vereinbart, die sich außerschulisch um die Fremdsprachenvermittlung und die Integration von Flüchtlingskindern kümmert. Ferner wurden im Rahmen des Gesprächs Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Lehrerberufs zwischen Kroatien und Deutschland erörtert, so dass kroatische Lehrer beispielsweise in der Regel angestellt sind und nur für tatsächlich gehaltene Stunden entlohnt werden. Im Zuge der Unterhaltung stellten wir unser aktuelles K1-Projekt vor, welches den Fokus auf den Vergleich von Inklusionsverfahren im europäischen Vergleich legt. Auch hier wurden Parallelen festgestellt, beispielsweise der verstärkte Einsatz von Schulassistenten und –assistentinnen, die Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen im Schulalltag begleiten. Generell lässt sich jedoch sagen, dass das Verfahren hinsichtlich der Festlegung von Förderschwerpunkten und der Erstellung von individuellen Förderplänen mittels Förderplangesprächen in Deutschland bereits weiter fortgeschritten ist.

Abschließend wurde eine stärkere Zusammenarbeit beider Schulen für die Zukunft beschlossen. Und zwar insofern, als dass beide Schulen ein gemeinsames e-Twinning-Projekt zur Medienerziehung anstreben, des Weiteren wurden die kroatischen Kollegen von uns eingeladen, im Rahmen einer K1-Mobilität ein Job-Shadowing an der Oberschule Braunlage zum Thema Inklusion zu absolvieren. Ferner wurde vereinbart ein gemeinsames K2-Projekt anzustreben, eventuell in den Fächern Erdkunde (nachhaltiger Tourismus und Naturschutz), Geschichte oder Literatur (Hexen damals und heute) oder Ernährung.

Schulsozialarbeit

Es gibt eine Pädagogin (in Vollzeit angestellt) für etwa 500 Schüler*innen. Sie bietet jeden Donnerstag von 14-18 Uhr eine Sprechzeit für die Erziehungsberechtigten der Schüler*innen an.

Die Kinder erhalten eine staatliche Unterstützung von der Stadt Zagreb. Sie bekommen die Schulbücher und Workbooks bezahlt. Zudem wird das tägliche Essen der Kinder bezuschusst. Von der ersten bis zur vierten Klasse bekommen die Schüler*innen drei Mahlzeiten am Tag. Hierfür bezahlen die Eltern einen Betrag von 200HKN im Monat. Dies beträgt um gerechnet ca. 28,50€ monatlich. Für die fünfte bis achte Klasse wird ein Frühstück angeboten. Dieses kostet die Eltern lediglich 75 HKN (10,70€) im Monat.

Einmal pro Jahr findet ein Tagesausflug statt, sowie zwei bis drei Museumsbesuche. Hier wird versucht zwei bis drei Schüler*innen aus sozial schwachen Familie zu unterstützen und ihre Teilnahme durch eine Umlage innerhalb der Klasse zu erhalten.

Ein Drittel der 500 Schüler*innen sind Scheidungskinder. Die Pädagogin sagte, dass hier häufig die Mutter die Familie verlassen haben soll. Es gibt Kinder, bei denen beide Elternteile nicht mehr da sind. Diese werden, wie Deutschland in Pflegefamilien untergebracht. Ein Schüler der Schule wohnt in der nahegelegenen Wohngruppe, welche insgesamt ca. 20 Kinder beherbergt.

Im Nachmittagsbereich gibt werden die Schüler*innen der ersten bis dritten Klasse betreut. Hierfür sind Lehrer*innen ausschließlich für den Nachmittagsbereich angestellt. Sie machen mit den Kindern Hausaufgaben, lernen für anstehende Arbeiten und bieten den Kindern diverse Freizeitaktivitäten, wie Spiele, Sport aber auch soziale Trainings an.

Von den 500 Schüler*innen haben etwa 30 einen Inklusionsbedarf. Für die weniger hilfebedürftigen Kinder kommt eine Schulbegleitung an drei Tagen in der Woche. Kinder mit beispielsweise einer geistigen Entwicklungsstörung/Beeinträchtigung (z.B. Downsyndrom) werden den ganzen Tag von einer Begleitung unterstützt.

Kinder, die chronisch krank, wie beispielsweise Leukämie, bekommen Privatunterricht zu Hause. Da die Lehrer*innen hier aber nur 50% der Stundenzahl ableisten können gibt es zudem eine Online-Schule, damit der restliche Lernstoff erarbeitet werden kann.

In Kroatien gibt es wenig Schulverweigerer und wenn gehen die Kinder, wie in Deutschland in die Kinder- und Jugendpsychatrie. Es gibt kein Bußgeldverfahren. Meist wird es schwierig, wenn Kinder aus Slowenien nach Kroatien ziehen. Dort ist es erlaubt, dass die Kinder zu Hause von ihren Eltern unterrichtet werden. Dies ist in Kroatien nicht erlaubt. Es besteht eine Schulpflicht bis zur achten Klasse. Die weiterführenden Schulen sind freiwillig.

Beschulung von Migranten

Am Donnerstag traf ich mich um 16:00 Uhr mit Asja Korbar von der NGO „Are you syrious“. Sie klärte mich über die Praxis der Beschulung und Integration von Migranten in Kroatien, insbesondere der Sprachvermittlung auf. Im Sommer 2015 durchquerten rund 700.000 Flüchtlinge auf der Balkanroute Kroatien in Richtung Nordeuropa. Durch seine Lage als Teil der EU-Außengrenze ist Kroatien mit einer großen Zahl an Asylanträgen konfrontiert. Die Asylsuchenden sind in Aufnahmelagern untergebracht. Darüber hinaus ist das Land zur Aufnahme gewisser Kontingente aus Italien und der Türkei verpflichtet.

Flüchtlinge mit legalem Aufenthaltsstatus müssen binnen 30 Tagen in das kroatische Schulsystem eingegliedert werden, zuvor müssen sie zwischen 70 und 140 Stunden Kroatisch gelernt haben. Anschließend werden sie einer der Schulen zugeteilt. Im Rahmen der Verteilung gab es jedoch Schulen, deren Kapazitäten überbeansprucht wurden, so dass diese Schulen gezwungen waren, effektive Konzepte zur Sprachvermittlung und Integration zu erarbeiten, um nicht im Chaos zu versinken. Ein best-practice-Beispiel hierfür ist die Gustav-Krklec-Schule in Zagreb. Die Verantwortlichen dort haben ein ganzheitliches Konzept erarbeitet, welches beispielsweise die Überprüfung des Alphabetisierungsgrades und die Ausarbeitung individueller Förderpläne in der Vermittlung von Kroatisch als Fremdsprache beinhaltet. Darüber hinaus arbeitet die Schule über den Klassenlehrer eng mit den jeweils verantwortlichen Integrationshelfern zusammen, Transparenz hinsichtlich der zu erbringenden Leistungen wird geschaffen, indem großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Eltern gelegt wird, sie zum Beispiel zunächst umfassend über die Funktionsweise des kroatischen Schulsystems informiert werden. Darüber hinaus betont das Konzept die Wichtigkeit der Peer-Group in Unabhängigkeit zur individuellen Sprachfertigkeit des jeweiligen Kindes. Weitere grundsätzliche Erkenntnisse zur Fremdsprachenvermittlung finden sich in der Broschüre „Can you hear me?“ des Romani Early Years Network.

Zusammenfassung und Erkenntnisse

Abschließend kann gesagt werden, dass wir das Job-Shadowing in vielerlei Hinsicht als überaus erfolgreich bewerten. Wir haben zum einen die Erfahrung gemacht, dass wir überhaupt in der Lage sind, ein solches Vorhaben zu planen und erfolgreich durchzuführen. Darüber hinaus haben wir wertvolle Erkenntnisse gewonnen, um weitere Job-Shadowings zukünftig noch effektiver zu gestalten. Hierzu gehört die reibungslose Zusammenstellung aller erforderlichen Dokumente sowohl im Vorfeld (Invitation, Entsendebestätigung, etc…) als auch im Nachhinein (Confirmation). Wir haben überaus nette Kollegen begleitet und kennengelernt, und einen Einblick in ihren Arbeitsalltag erhalten, sie mit ihren Stärken und Schwächen erlebt und festgestellt, dass es einer großen Portion Vertrauen bedarf, sich im Unterricht von quasi eigentlich Fremden beobachten zu lassen, dieses Vertrauen also in kürzester Zeit zwischen besuchenden und gastgebenden Kollegen aufgebaut werden muss.

Des Weiteren haben wir in der einen Wochen immens profitiert im Hinblick auf unsere Englischkenntnisse. Obwohl wir mit dem glücklichen Umstand gesegnet waren, dass einige der gastgebenden Kollegen ausgesprochen gut Deutsch konnten, gab es genug Gelegenheiten, bei denen wir uns über längere Dauer auf einem verhältnismäßig hohen Niveau in englischer Sprache verständigen mussten. Das haben wir entsprechend gut bewältigt. Außerdem hat sich die Annahme bestätigt, dass es von großem Vorteil ist, selbst nur wenige Wörter (Danke, Bitte, Guten Tag…) in der jeweiligen Landessprache zu beherrschen. Allein das bringt in den allermeisten Fällen das Eis zum Schmelzen.